Veröffentlicht in Allgemein, Reflexion

Kranksein und Raumerleben

Das Wartezimmer beim Arzt, das Krankenzimmer im Krankenhaus, Ordinationsräume, Therapieräume in Reha-Einrichtungen usw., allen gemeinsam ist, dass die Gestaltung dieser Räume großen Einfluss darauf hat, wie wir uns hier fühlen.

 

Ja, für mich fühlt sich ein Raum anders an, wenn ich krank bin. Im Krankenhaus empfinde ich mangelndes Tageslicht und auch lange Gänge und zu wenig Blickmöglichkeiten nach draußen als besonders bedrückend.

Ein Beispiel mangelnder Nutzerzentrierung konnte ich kürzlich erleben, und zwar beim Besuch eines Orthopäden. Dessen Ordinationsräume waren folgendermaßen zu erreichen: zwei Stufen zur Haustüre, eine etwas enge Treppe nach oben (Stufen habe ich nicht gezählt), nochmals eine Stufe in den Anmelderaum, von diesem eine weitere Stufe in den Warteraum und noch einmal eine Stufe zu den Behandlungsräumen. Uff – und das alles zu bewältigen von teilweise Patienten mit Einschränkung der Gehfähigkeit 😦  Eine Patientin (mit Gehstock) schimpfte: „Wenn ich das gewusst hätte, wär ich zu einem anderen gegangen …“

Obigen Kommentar habe ich auf dem Blog von Saskia Kuliga „Architekturkognition und Umweltpsychologie“ hinterlassen. Dr. Kuliga ist Umweltpsychologin und erforscht Interaktionen zwischen Menschen und ihrer Umwelt.

 

„Kranke sind körperlich geschwächt und damit viel sensibler als Gesunde. Sie verarbeiten ihre Diagnose, haben Zukunftsängste, und fühlen sich oft innerlich sehr allein. Hinzu kommt, dass die Wahrnehmung bei vielen Kranken verschärft ist: Gerüche, Lichtstärken und Geräusche werden zum Beispiel viel intensiver erlebt als von Gesunden.“

– Saskia Kuliga

(in:  „Erleben Kranke die Umwelt anders?“)

 

Zum Beitrag „Erleben Kranke die Umwelt anders?“ hier entlang: https://umweltpsychologie.net/2018/10/22/die-umweltwahrnehmung-von-kranken-how-sick-people-experience-space/

***

Ich sehe großen Verbesserungsbedarf in der Raum-Adaptierung von Wartezimmern, Krankenhäusern, Therapieeinrichtungen usw.  Und du?

Bis bald,

Beate

 

alle Fotos: Pixabay

 

Autor:

Österreich. *** Reflexionen zu Leben & Alltag: Persönlichkeit, Leben in Balance, Selbstmanagement, Gesundheit, Weisheitsgedanken, Kreativität, Lebensfreude.

8 Kommentare zu „Kranksein und Raumerleben

    1. Ein Thema, das noch viel mehr Aufmerksamkeit braucht. Gerade auch im Hinblick auf die alternde Gesellschaft und die damit oft einhergehende Pflegebedürftigkeit. Der funktionelle Aspekt in der Raumgestaltung ist zweifelsohne wichtig, eine ganzheitliche Betrachtung in der Planung von Krankenhäusern, Arztpraxen, Pflegeeinrichtungen u. ä. wünschenswert.

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      1. Es ist grossartig, dass du das schreibst. Ich habe eine Studie zur Wegfindung aelterer Menschen gemacht und werde bald Richtung Demenz forschen (und dort ein eigenes Thema aufbauen).
        Warum dass mit einem ganzheitlichen Ansatz nur teilweise klappt, haengt mit einer Reihe von Faktoren zusammen, z.B. Stakeholder-Meinungen und Budget, u.A. Das Thema bekommt aber stets (etwas) mehr Bedeutung, was daran zu sehen ist dass Architektur-Ausbildungen es teilweise einbauen und es mehr Umweltpsychologie und Raumkognitions Teams gibt. Aber das wird noch dauern, bis wir da konkret viel von merken, weil es auch da viele Barrieren gibt; u.A. die Art wie Forschung immer noch arbeitet. Viele Gruesse.

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      2. Ich hoffe, dass wir deine Forschungsergebnisse auf deinem Blog nachlesen werden können. Und natürlich, dass sie ins Bewusstsein Vieler vordringen. Liebe Grüße!

        Liken

  1. Liebende bester Jetztzeit

    „Die Architektur ist der Spiegel der Gesellschaft“

    Und sie ist eine Sichtbarwerdung der „Bauherren“
    Architekten und Nutznießer Wohnungseigentümer um nicht
    Von Behausungen Verwahranstalten zu sprechen

    Das organisch Leibliche das ästhetisch Seelische
    Und das kosmisch gerundete Weibliche vereinend
    bilden Strukturen ein Innenbild des Menschenwesens

    Gaudi Hunderwasser der Jugendstil und Rudolf Steiners
    erster gebranntstifteter „Johannesbau“ später „Goetheanum“
    in Dornach der Schweiz sind augenscheinliche Gesamtkunstwerke

    „Wenn Ihrs nicht fühlt so könnt Ihrs nicht erjagen“

    Der heutige funktionale glasbetonstahlrechtwinklige
    raumgewinnmaximierte Komplex ist körperverletztend
    eine Beleidigng des Natürlichen und ……

    Dank Segen Mut und Freude
    Dir Kaspar Hauser von Herzen

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